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Dez 2, 2014 - Im Land unterwegs    Kein Kommentar

Inklusion in Ostholstein

Die Lübecker Nachrichten ebrichteten am 02.12.2014 über meine Schulbesuche zusammen mit meiner Landtagskollegin Marlies Fritzen in Ostholstein. Thema waren die notwendigen Rahmenbedingungen für gelingende Inklusion.

2014-12-02_LN

DaZ an der Max-Tau-Schule

In Kiel-Mettenhof liegt die Max-Tau-Grund- und Gemeinschaftsschule, an der ich einen Vormittag lang viele, aber sicher nicht alle Themen mit dem stellvertretenden Schulleiter Herrn Lange und seiner Kollegin, Frau Lindford, besprechen konnte. Das Thema Berufsorientierung, das in Zusammenarbeit mit Coach und Arbeitsagentur Jugendliche ab Klasse 8 intensiv berät, spielte dabei eine besondere Rolle. Die Max-Tau-Schule ist aber auch FiSch-Schule – FiSch ist die Abkürzung für „Familie in Schule“ und ist ein Ansatz, in dem zeitweise mit Eltern und deren Kindern gemeinsam gearbeitet wird.

Max-TauDas Megathema an dem Vormittag war aber für mich die Schulangebote für Flüchtlinge. Die Max-Tau-Schule ist sogenanntes DaZ-Zentrum. Hier wird Kindern erstmal in einem Basiskurs die deutsche Sprache zugänglich gemacht. Dabei ist die Zusammensetzung der inzwischen sechs Gruppen sehr, sehr unterschiedlich. Die vielen Altersgruppen und sprachbegabte Kinder, die schnell lernen, sind genau so zu unterrichten, wie Kinder, die überhaupt nicht alphabetisiert sind. Die unsichere Situation der Kinder und Jugendliche, die Traumata, mit denen viele zu kämpfen haben, und die Schwierigkeiten, Integrationsmöglichkeiten zu finden – das alles stellt die engagierten Lehrkräfte vor riesige Aufgaben.

Klar, dass gerade dieser Bereich in den letzten Monaten wächst.

Neben diesen Themen konnte ich auch mit der Schülervertretung sprechen. Am meisten beschäftigt die Schülerinnen und Schüler der Unterrichtsausfall. Gerade in den Abschlussklassen mit Blick auf die Prüfungen steigt die Nervosität und Sorge, dass einfach zu viel Stoff unbearbeitet bleiben könnte. Inzwischen gibt es speziell für die ZehntklässlerInnen einen Kurs im Nachmittag, um gezielt prüfungsrelevantes Wissen aufzuarbeiten.

 

Vorlesetag in der Kita Seeblick

Am Vorlesetag war ich gemeinsam mit dem Kieler Oberbürgermeister Ulf Kämpfer in der Kita Seeblick. Für mich war das der vierte Vorlesetag. Ich greife inzwischen auf zwei bewährte Bilderbücher zurück: Leon Pirat und „Grüffelo“. Gerade der Grüffelo ist inzwischen sehr bekannt, aber zu zweit und mit verschiedenen Rollen gelesen, war es offenbar doch mitreißend.
Vorlesen_KTE_Seeblick

Im Anschluss gab es noch einen Rundgang durch die renovierten Räume der städtischen Kita – das war mal eine Abwechslung, denn normalerweise wurde in den letzten Jahren in erster Linie in den Krippenausbau investiert. Eine runderneuerte Kita für Kinder zwischen drei und sechs ist da doch etwas Besonderes. Bei diesem Umbau wurde das Konzept der Kita mit den verschiedenen Lernbereichen, einer großen Küche für die Mittagessen und einem Bewegungsraum überzeugend umgesetzt.

In der Kita gibt es natürlich auch eine Menge Kinder – aber ohne Einwilligung der Eltern gehören solche Bilder nicht ins Netz…

Gorch-Fock-Schule

Auf dem Gelände der Gorch-Fock-Schule war ich in der vergangenen Zeit häufiger, weil ich in dem Förderzentrum G im gleichen Gebäudekomplex hospitiert habe. Am lezten Tag meiner Besuche dort bekam ich die Gelegenheit, die Schulleiterin Frau Mittelstaedt in eine vierte Klasse zu begleiten. Gemeinsam mit einer Förderlehrerin und einer Schulbegleiterin ging es in dieser Stunde um Grammatik. Gerade drei Erwachsene ermöglichten eine differenzierte Unterstüzung der Kinder. Wir alle wissen aber, dass zwei Lehrkräfte in einer Grundschulklasse eben nicht die ganze Zeit unterrichten.

Von dieser Grundausstattung sind wir leider noch weit entfernt.

Gemeinschaftsschule Kiel-Friedrichsort

In Kiel gibt es drei Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe. Eine davon ist die Gemeinschaftsschule in Friedrichsort.

Eigentlich begann der Schulbesuch schon im Bus, denn dort saß ich neben zwei Schülergruppen der Schule… es ging um Unterricht, Hausaufgaben, Lehrkräfte – und Sozialstunden.

Das offizielle Programm  war auch sehr intensiv. Der Schulleiter, Herr Weigel, hatte viele Gespräche organisiert – mit Elternvertretung, Schulleitungsteam, Personalvertreterinnen, Schülerinnen du Schülern, die mir ihre Schule gezeigt haben und einer Runde zum Thema Inklusion. Dort habe ich auch die Leiterin des Förderzentrums Lernen aus der Gutenbergstraße, Frau Schuldt, wiedergetroffen. In einem Gespräch zu meinen Zeiten als Kieler Ratsfrau habe ich in ihrem Schulleitungszimmer meine erste Einführung zum Thema Förderzentren und integrativ eingesetzte Lehrkräfte bekommen.

Interessant war an diesem Vormittag neben dem Gespräch zum Thema Inklusion insbesondere auch ein Austausch zur Zukunft der Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe.

 

Sep 22, 2014 - Im Land unterwegs    Kein Kommentar

Aha-Effekt in Bad Segeberg

Gemeinsam mit Dr. Uli Hase, dem Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderung, war ich in zwei Bad Segeberger Schulen unterwegs. Erste Station war das Städtische Gymnasium, landesweit bekannt, weil es hier zwei Integrationsklassen für Kinder mit geistigem Förderbedarf und Lernschwierigkeiten gibt. Ich habe noch von keinem anderen Gymnasium gehört, dass zieldifferenziert unterrichtet. Der Schulleiter Herr Bähr nahm sich viel Zeit, uns dieses Modell zu erläutern. In enger Kooperation mit dem Förderzentrum G, der Traveschule, die ich vor einigen Jahren schon einmal besucht habe, ist das Konzept entstanden.

Mit sieben Kindern, die einen Förderbedarf haben, ist eine sehr große Gruppe in der Klasse. Ein engagierter Förderlehrer, Herr Schneider, ist seit zehn Jahren mit vollem Stundendeputat im Gymnasium und betreut die beiden Klassen. Durch interne Umschichtungen gelingt eine weitgehende Doppelbesetzung der Klassen, zudem unterstützen Schulbegleitungen. Die Frage, wie Integration in Gymnasien aussehen kann, wurde uns in einer sechsten Klasse vor Augen geführt. Deutschunterricht mit Frau Flebbe, der Klassenlehrerin, und Herrn Schneider – Team-Teaching von gelassener und routinierter Art. Das Klima der gegenseitigen Wertschätzung war in der ganzen Klasse zu greifen. So ist Herr Woitke, einer der Väter des Projektes, überzeugt, dass alle Kinder viel aus diesen Klassen ziehen. Es gibt auch viele Stunden, die nicht im kompletten Klassenverband gegeben werden – der Zusammenhalt der Klassengemeinschaft aber funktioniert. Bis zur neunten Klasse gehen diese Kinder gemeinsam durch die Schule. Ein Modell, das Nachahmer sucht.

Von ganz anderer Natur war der zweite Besuch: Mit der Schule am Kastanienweg sahen Uli Hase und ich die einzige Förderschule für Kinder mit Emotionalem und Sozialem Förderbedarf. Erst vor weniger als drei Wochen bekam ich die Einladung vom Schulleiter Herrn Strekies, der mit einigen Kolleginnen und Kollegen an unserer Plietsch-Veranstaltung „Wie die wilden Kerle lernen“ teilgenommen hatte. Sechs Lerngruppen, davon der überwiegende Teil der Kinder mit Heimbiographie, gehen in Bad Segeberg in die Schule. Alles andere als inklusiv, aber für viele Kinder nach monatelangem Aufenthalt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und nach oft viel zu langer Schulabstinenz oft der einzige Weg zurück in so etwas wie einen Schulalltag. Dennoch ist der Schulbesuch auch hier nicht auf Dauer angelegt – fit für die Regelschule zu werden, das ist bei vielen das Ziel. So war die Gesprächsrunde auch besonders groß. Neben Frau Gribel und Herrn Baumann vom Förderzentrum, dem Schulrat Herrn Hübner, Frau Langholz als Vertreterin der Diakonie als Schulträger und den Herren Nückel und Tipp, die die Einrichtung vor Ort am Laufen halten, wurde deutlich, wie sich die Problemlagen in den letzten Jahren verschoben haben: Weniger Zeit im Kontakt mit dem Jugendamt, weniger Geld für Elternarbeit und viel mehr Jugendliche mit echten Bindungsproblemen. Einige halten der Schule am Kastanienweg seit Jahrzehnten beruflich die Treue – und den Kindern, die oft ein besonderes Päckchen zu tragen haben.

Beide Besuche in Bad Segeberg an diesem Septembertag haben wieder gezeigt, wie weit das Feld ist, in dem Schule Kindern und Jugendlichen mit Förderbedarf gerecht zu werden versucht. Beide Projekte getragen von viel Eigeninteresse, beide Projekte auf Ihre Weise so in Schleswig-Holstein ungewöhnlich.

 

Jul 4, 2014 - Im Land unterwegs    Kein Kommentar

Gärtnern mit Kindern

Bei strahlendem Sonnenschein habe ich meinen Freitag Nachmittag im Rahmen des Ausschwärmtages der Grünen Landtagsfraktion im Preetzer Mühlenaupark verbracht und dort das Projekt “Gärtnern mit Kindern“ besucht.

Seit 2009 gärtnern im Preetzer Projekt rund 220 Kinder aus 4 Kindergärten und einer Schule auf ihren „eigenen“ Parzellen, insgesamt ist der Garten 1.100 qm groß. Es werden sämtliche Gemüsearten, Kräuter, Beerenarten, Obst angebaut, geerntet und dann auch gemeinsam zubereitet und gegessen. Ich war zur richtigen Jahreszeit da – und kam in den Genuss von frischen Erdbeeren!

In dem generationsübergreifenden Ehrenamtsprojekt werden die Kinder und PädagogInnen von 12 SeniorInnen, sogenannten Gartenpaten, regelmäßig unterstützt. Acht davon hatten sich den Nachmittag Zeit genommen, um mir ihr Projekt vorzustellen – zum Beispiel auch das von den Kindern gebaute Insektenhotel. Mit dabei war außerdem die Initiatorin Ingeborg Wittig, die von der Arbeit mit den Kindern schwärmte und vor sechs Jahren die Idee für den Garten entwickelte. Ihr ist es besonders wichtig, dass die Kinder den Umgang mit der Natur erlernen und ihre Wahrnehmung bei der Gartenarbeit schulen.

Ein toller Nachmittag und ein tolles Projekt, das von dem Engagement der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen lebt!

Jul 3, 2014 - Im Land unterwegs    Kein Kommentar

Bergschule Fockbek – Sport als Konzept

Die Bergschule in Fockbek hat ein ausgeprägtes Sportkonzept. Auf dem Campus der Grund- und Gemeinschaftsschule finden sich zwei große Sporthallen. Ein engagiertes SportlehrerInnenteam machte vor zwölf Jahren den Einstieg. Bewegungsförderung ist Lernförderung ist das Motto – eine Sportstunde am Tag für alle Grundschülerinnen und Grundschüler das Konzept. Mit 11.000 Euro zusätzlich vom Schulträger pro Jahr ist diese Schule in Bewegung geraten. Herr Saß, der Schulleiter, erläuterte, wie je zwei Klassen gemeinsam von je einer Sportlehrkraft und je einer Übungsleitung aus dem örtlichen Sportverein angeleitet werden.

Gemeinsam mit meinen KollegInnen Anita Klahn (FDP), Barbara Ostmeier (CDU) und Sven Krumbek (PIRATEN) war ich nach einer Podiumsdiskussion des SportlehrerInnenverbandes neugierig geworden und nach Fockbek aufgebrochen. Das Engagement von einem energiegeladenen Team, der Gemeinde Fockbek als Schulträger und den örtlichen Vereinen – dies alles macht das Konzept so überzeugend. Inzwischen wird das Konzept bis in die Sekundarstufe weiterentwickelt.

Es ist ganz deutlich: Diese Schule lebt Sport.

Jul 2, 2014 - Im Land unterwegs    Kein Kommentar

„Lernen auf eigenen Wegen“ – Grundschule Op de Host

Durch Zufall bin ich in eine Perle unter den Grundschulen geraten: Die Grundschule Op de Host in Horst (Kreis Steinburg). Ganz versteckt liegt ein freundlicher Neubau inmitten eines traumhaften Pausengartens – mit Platz für Fußball und eine Fast-Wildnis. Das ist der erste Eindruck, den man hat, wenn man das Gebäude betritt: Struktur, Klarheit uns Transparenz.

Hier hat das Kollegium über Jahre einen Unterricht entwickelt, der in acht jahrgangsgemischten Klassen von 1- 4 ein „Lernen auf eigenen Wegen“ ermöglicht. Als dann vor wenigen Jahren ein Neubau entstand, konnten die Räume der Unterrichtskonzeption folgen. Die großen Klassenräume haben einen kleinen Vorflur für Jacken, Schuhe und Taschen. Der Lernraum selbst – und alle Räume sind da gleich – ist durch eine Fensterwand und Regale in übersichtlicher Klarheit unterteilt. Keine Tür trennt die beiden Räume, und doch gibt es einen Rückzugsraum zum Lernen. Viele kleine Tische und vor allem flexibles Mobiliar. So gibt es am Vormittag verschiedene Mittelpunkte – je nach Arbeitsphase. Im Morgen- und dem Zeigekreis am Ende des Vormittags steht ein niedriger Tisch im Zentrum. Hier wird präsentiert und sich auf klare, faire und aufmerksame Weise „Tipps“ gegeben. Während der Lernzeiten, in denen die Kinder konzentriert und leise vertieft an ihren Aufgaben arbeiten, ist der Mittelpunkt der runde Tisch der Klassenlehrerin Frau Schmidt. Hierher kommen die Kinder mit Fragen, bekommen Aufmerksamkeit und Hilfestellung – ganz individuell. Hier ist der Ort für die Kopfrechentests, die an dem Tag so viele Kinder ablegen wollen. Und hier ist auch der Ort für die Kinder, denen es gerade nicht so leicht fällt zu arbeiten. Sie sitzen neben ihrer Lehrerin, bekommen Ermunterung, bis es auch wieder alleine geht.

Frau Thurau, die Schulleiterin, beschreibt, dass die Strukturelemente und die Materialien vom Kollegium gemeinsam entwickelt wurden. Das erleichtert die Zusammenarbeit, die Vertretung und gibt der ganzen Schule eine erstaunliche Klarheit. Heinrich Voß von den Steinburger Grünen und ich sind ganz erfüllt nach einem eindrucksvollen Vormittag in dieser tollen Schule.

Jun 30, 2014 - Im Land unterwegs    Kein Kommentar

Kooperatives Schultraining Uetersen

Was tun, wenn Schülerinnen und Schüler in der Schule nicht klar kommen, wenn sie den Unterricht fortwährend sprengen, wenn sie vor  Angst krank werden, wenn sie „nicht schulfähig“ sind, wie man so sagt. Das ist ein Riesenproblem für Kinder und Jugendliche, deren Eltern und Familien. Und es ist häufig eine Überforderung von Schulen, den Mitschülerinnen und Mitschülern. In Uetersen haben Jugendamt, Schulamt und die AWO zusammen mit dem Förderzentrum Lernen und einigen Regelschulen ein kleines, aber feines Modell entwickelt. Hier wird Jungen und Mädchen eine Auszeit von der Schule gegönnt – und zwar in passgenauen Lösungen. Ob ganz weit draußen und schulfern in einem Raum mit Garten, Ziegen und Tiefseilgarten gelernt wird, ob man in einem eigenen Gebäude in der Nähe der Schule seinen Vormittage verbringt oder ob man im Schultrainingsraum zwischen Einzel- und Kleingruppenunterricht und Klassenstunden wechselt – das alles wird sehr individuell entschieden.
Für die Eltern der Kinder im kooperativen Schultraining gibt es jede Woche ein Gespräch, Feedback und Begleitung. Allen ist klar: Ohne die Eltern läuft gar nichts.

Der Erfolg gibt dem Projekt recht – mehr als 80 Prozent der Kinder gelingt ein Neueinstieg in eine Regelschule! Möglich wird das alles, weil die verschiedenen Partner ihre geballte Kompetenz bündeln, weil Jugendhilfe eng mit Schule kooperiert, weil Förderlehrkräfte – in deren Mitte Herr Knoche, der Initiator – und Sozialpädagogen, weil Lehrkräfte in den Regelschulen  wirklich kooperieren und die Kinder in den Mittelpunkt stellen.

Überzeugend auch das Engagement von Herrn Helms, Jugendamt Pinneberg, und dem Schulrat Herrn Janssen. Ihr Motto scheint zu sein: „Wer etwas verhindern will, findet Gründe, wer etwas bewegen will, Möglichkeiten.“