Jan 21, 2017 - Allgemein, Im Land unterwegs, In Kiel unterwegs    Kommentare deaktiviert für Seitenwechsel- Nachtschicht im Städtischen Krankenhaus

Seitenwechsel- Nachtschicht im Städtischen Krankenhaus

Die Einführungszeremonie von Mr. T habe ich mir nicht angeschaut. Ich wollte mich nicht aufregen – aber aufgeregt war ich am 20.01.2017 ohnehin, denn um 20:30 war ich im Städtischen Krankenhaus mit der Pflegedirektorin Frau Schmidt verabredet – um eine Nacht lang auf einer Station mitzulaufen. Vereinbart hatten wir das bei meinem Besuch in der Pflegeschule des Städtischen Krankenhaus im Sommer. Ich weiß von der Personalnot und war vorher unsicher. Würde ich eine besonders hektische Nacht erwischen – im Weg stehen? Mich besonders „dösig“ anstellen? Unsicher war ich also, aber nachdem ich auf Station M32 angekommen war, war alles paletti. Netter Empfang!

Das erste: „Ah fein, da kommt Verstärkung“´, musste ich leider enttäuschen. Aber Daniela, der ich dann die ganze Nacht wie ein Dackel hinterherlief, nahm es gelassen. Ich durfte mit, sie erklärte alles und hat keine meiner vielen Fragen unbeantwortet gelassen. Und ausnahmsweise war Zeit für viele Fragen: Ich hatte eine ruhige Nacht erwischt, wie das Team am nächsten Morgen bei der Übergabe unter nettem Augenverdrehen bemerkte. Da kam nun eine Politikerin und dann lief alles einigermaßen ruhig…

Ich konnte hoffentlich beruhigen. Denn es brauchte nicht viel Phantasie sich vorzustellen, was passiert, wenn gleichzeitig ein Neuzugang kommt und sowohl der Patient im Isolierzimmer klingelt, als auch die Person auf der anderen Seite Unterstützung braucht. Ich habe es nicht selber erlebt, aber Daniela hat mir so viele Fragen beantwortet, dass deutlich ist, unter welchen Kritierien nachts Hektik ausbrechen kann. Auch der Fachkräftemangel war Thema: Wenn freie Stellen nicht besetzt werden können, führt es dazu, dass alle mehr schultern müssen. Und wenn ein System auf Kante genäht ist – wie in der Pflege – dann darf eigentlich keiner mehr krank werden. Aus dieser Belastungsspirale herauszukommen, ist so schwer – gerade, weil Fachkräfte fehlen und Stellen vakant bleiben.

Apropos Belastungsgrenze: Ich war am Samstagmorgen um 6:20 stehend k.o.; Für Daniela aber war es die erste Nachtschicht von dreien nacheinander. Ich hatte vorher einen Heidenrespekt – und nach dieser Nacht noch mehr.

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