Jugend ohne Grenzen

Im vergangenen Jahr hatte ich bei einem Besuch einer Berufsschulklasse Farshid Herati kennengelernt, einen jungen, klugen und tatkräftigen Mann, der eine lange Fluchtgeschichte hinter sich hat und nun in Kiel seinen Realschulabschluss erreichen will. Farshid hatte mich auch als Praktikant im letzten Sommer begleitet und als er mich nun zu einem Gespräch mit Jugend ohne Grenzen http://www.jog-sh.de einlud, habe ich gern angenommen.

Zusammen mit Nina Schneider, der Mitarbeiterin der Grünen Fraktion für (u.a.) die Themen Migration- und Flüchtlingspolitik, diskutierte ich mit Jugendlichen aus Schleswig-Holstein über die Situation junger Flüchtlinge. Insbesondere die Unterbringung im ländlichen Bereich mache es sehr schwer, Zugang zu Bildung oder auch nur zu Sprachkursen zu bekommen. Eindrücklich erzählten die Jugendlichen, wie schwer die ersten Monate für viele waren: „Ich wohnte faktisch im Wald, sprach kein Deutsch und wusste nicht was werden soll. Ich bin dann – obwohl ich meine Landkreis eigentlich nicht verlassen durfte – nach Neumünster gefahren. Da gab es jemanden, von dem ich hoffte, er könne mir helfen.“ „Die ersten drei Monate habe ich eigentlich mit niemandem ein Wort gewechselt. Ich verstand die Sprache nicht, die Busse fuhren so selten,  so dass der Sprachkurs für mich unerreichbar war.“

Als ich am Abend meinem achtjährigen Sohn davon erzählte, wie die jungen Menschen ohne Familie, ohne diese Sprache zu kenne, ohne zu wissen was wird, auch noch wochen- oder monatelang niemanden hätten, mit dem Sie reden könnten, kommentierte er ernsthaft: „Davon wird man verrückt.“ Wie zufällig es ist, ob man Zugang zu Bildung hat, macht die Bildungslotterie von Jugend ohne Grenzen deutlich: Sowohl Nina Schneider als auch ich haben eine Niete gezogen. Die Aktion bestärkt mich, weiter mit dem Flüchtlingsbeauftragten Stefan Schmidt an einer Verbesserung der Bildungsmöglichkeiten für junge Flüchtlinge zu arbeiten. Der Runde Tisch, zu dem wir gemeinsam eingeladen haben, hat im letzten Herbst die Arbeit aufgenommen – so schnell werden wir nicht fertig werden.

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