Anders Wirtschaften in Kiel

Am 3. Juli fand wieder ein „Ausschwärmtag“ der Grünen Landtagsfraktion statt, dieses Mal unter dem Motto „Anders Wirtschaften“. Wir alle wollten Unternehmen oder Initiativen zu besuchen, die in ihrem wirtschaftlichen Handeln die Profitorientierung nicht an aller erster Stelle stehen haben. Wie meine LandtagskollegInnen habe ich mir deshalb spannende Projekte in meinem Wahlkreis angeschaut.

Zunächst besuch2015-06-14 11.57.43te ich gemeinsam mit Lydia Rudow, der Vorsitzenden der Grünen Ratsfraktion in Kiel, die Projekte von „yooweedoo“ in dem ehemaligen Gebäude der Muthesius Kunsthochschule am Lorentzendamm in Kiel – von den Akteuren liebevoll „Alte Mu“ genannt. Professor Corves und Felix Wenning von der School of Sustainability der CAU zeigten mir das Gebäude und berichteten von den Projekten. Yooweedoo ist ein Ideenwettberwerb und ermöglicht es Studierenden zu lernen, wie sie die Welt mit eigenen Projekten verändern können. Die TeilnehmerInnen am Ideenwettberweb lernen im begleitenden Changemaker-Kurs sowohl Konzepte von Social Entrepreneurship als auch praktische Fähigkeiten zur professionellen Planung eines eigenen Projekts kennen. Über den Ideenwettbewerb werden Projekte von Kieler Studierenden gefördert, aber auch gute Ideen aus ganz Deutschland.

Während unseres Besuchs fand gerade das yooweedoo Sommercamp statt, alle geförderten Projekte waren nach Kiel angereist und tauschten sich beim Fühstück mit Erdbeeren, Brötchen und Kaffee über ihre Erfahrungen aus. Professor Corves berichtete unterdessen von dem Bedarf nach günstigen Räumen in Kiel und was die Initiativen in der Alten Mu in den letzten zwei Jahren alles auf die Beine gestellt haben. Von der Werkstatt über den Yogaraum, dem Mittagstisch, der Bürker-Werk-Stadt, dem Kunstatelier für Kinder bis zu neu angelegten Gärten und einem tollen Vertikalbeet aus Paletten – hier iGraffiti an der Alten Must in der Mitte von Kiel ein kreatives, alterantives Zentrum entstanden. Doch die Zukunft ist ungewiss, denn hier sollen bald kostengünstige Wohnungen entstehen – die Kiel auch dringend braucht. Wir überlegen, ob man in einer Mischnutzung vielleicht beides vereinen kann und die Grüne Ratsfraktion wird an dem Thema dran bleiben.

Danach radel wir zum Wissenschaftszentrum auf dem Uni-Campus. Die Geschäftsführerin Dr. Inge Schröder stellt uns das Projekt „Opencampus“ vor. Mit 19 festen Partnern aus der Region und nochmal so vielen Unternehmen werden hier Studierende an das Berufsleben herangeführt. Das Projekt besteht aus drei Säulen: Gesellschaft, Unternehmenskontakte und Entrepreneurship. Ich habe mir bei meinem Besuch vor allem den letzten Bereich angeschaut. Im Gebäude hinter dem Wissenschaftszentrum finden junge Start-Ups Platz, können im Coworkings Space arbeiten und sich gegenseitig Tipps geben und erhalten vom Team um Inge Schröder und Alexander Ohrt wichtige Unterstützung. Die Ideen sind durchweg innovativ – und teilweise bereits mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. So entwickelt das Start-Up Edge eine ganz neue Darstellungstechnik für Beamer. Grafikelemente können mittels einer App einfach im Beamer-Bild positioniert und verändert werden. Am Schreibtisch nebenan wird ein Handyspiel für und über Tansania entwickelt, es soll spielerisch Infos über Land und Kultur vermitteln. Flowy Apps wiederum will eine Alternative zur webbasierten Cloud anbieten, die mehr Datensicherheit verspricht. Und bei Lokalportal geht es um eine Online-Plattform zur Vernetzung von Nachbarschaften – das könnte auch von Stadt und Land für moderne BürgerInnenbeteiligung genutzt werden. Wir wünschen den jungen GründerInnen weiterhin viel Erfolg! Im September läuft allerdings die zweijährige Förderung vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft aus, eine Anschlussfinanzierung ist noch nicht gesichert – auch das nehmen Lydia Rudow und ich mit ins Rathaus und ins Landeshaus.

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